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43 Schülerinnen und Schüler, fünf Lehrkräfte und die Idee eine christliche Gesamtschule aufzubauen: So begann vor zehn Jahren die Geschichte der August-Hermann-Francke-Gesamtschule Schlangen. Heute besuchen mehr als 550 Schülerinnen und Schüler die Schule.
Die Jubiläumsfeier begann mit einem gemeinsamen „Grill & Chill“, gefolgt von der offiziellen Festveranstaltung in der voll besetzten Aula. Die Schülerinnen und Schüler schauten per Livestream aus ihren Klassenräumen zu.
Musikalische Beiträge, Theater, Grußworte und persönliche Rückblicke prägten den Festakt. Anschließend blieb bei Kaffee & Kuchen sowie einem bunten Rahmenprogramm Zeit für Begegnungen und Gespräche.
Von der Idee zur Gesamtschule
Die Anfänge der Schule sind eng mit Isaak Penner und dem damaligen Bürgermeister Ulrich Knorr (SPD) verbunden. Penner gehörte zu den Initiatoren, die die Idee einer christlichen Schule vorantrieben. Mit Knorr fand das Vorhaben einen wichtigen Unterstützer auf kommunal-politischer Ebene.
Unter Rudi Penner als Schulleiter und Eduard Butt als Geschäftsführer nahm die AHF-Gesamtschule 2016 schließlich mit 43 Schülerinnen und Schülern und fünf Lehrkräften ihren Betrieb auf. Seitdem wächst sie Jahr für Jahr. 2022 wurde der Neubau eingeweiht, inzwischen gehört auch die gymnasiale Oberstufe fest dazu. Fünf Jahrgänge feierten bereits ihre Abschlüsse nach Klasse 10, zwei Jahrgänge ihr Abitur. Mit derzeit mehr als 550 Schülerinnen und Schülern nähert sich die Schule ihrem vorgesehenen Endausbau von rund 590 Lernenden.
Dass die Entwicklung von unterschiedlichen Seiten begleitet wurde, zeigte sich auch beim Jubiläum. Während Knorr in der Gründungsphase zu den wichtigen kommunalen Unterstützern gehörte, hob auch der heutige Bürgermeister Marcus Püster (CDU) in seinem Grußwort die positive und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Schulträger hervor. Die AHF-Gesamtschule sei inzwischen ein fester Bestandteil der Kommune und erweitere das Bildungsangebot in Schlangen.
Auch Meinolf Klahold, Schuldezernent der Bezirksregierung Detmold, nahm am Festakt teil. Er verwies auf die besonderen Aufgaben und Möglichkeiten einer Bekenntnisschule: Die Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen seien verbindliche Grundlage des Unterrichts und würden um die Perspektive des evangelischen Bekenntnisses ergänzt. Darin liege sowohl ein Auftrag als auch eine besondere Gestaltungsmöglichkeit.
Einen historischen Bogen spannte Prof. Dr. Wolfgang Stock, Generalsekretär des Verbands Evangelischer Bekenntnisschulen und Kitas (VEBS). Er erinnerte an die lange Tradition christlich geprägter Bildung – von frühen kirchlichen Schulen bis zu Martin Luthers Einsatz dafür, Kindern Bildung zu ermöglichen.
Auch die Schülerinnen und Schüler selbst blickten zurück: Ein Kurs aus dem Fach „Darstellen und Gestalten“ brachte die Entstehung und Entwicklung der Gesamtschule in drei Szenen aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Bühne. Musikalische Beiträge von Schülerinnen und Schülern umrahmten den Festakt.
„Wie baut man eigentlich eine Schule auf?“
Diese Frage stellte Schulleiter Rudi Penner an den Anfang seiner Festrede. Als er 2015 gefragt wurde, ob er den Aufbau der neuen Schule als Schulleiter mitgestalten wolle, habe er großen Respekt vor der Aufgabe gehabt. Zuvor habe er keine Ambitionen gehabt, beruflich mehr zu sein als ein einfacher Lehrer.
Zehn Jahre später standen nun mehr als 550 Schülerinnen und Schüler, ein erweitertes Schulgebäude, eine Oberstufe und mehrere Abschlussjahrgänge für eine Entwicklung, die damals kaum vorhersehbar war. Doch Herr Penner warnte davor, diese Geschichte einzelnen Personen zuzuschreiben: „Eine Schule aufzubauen ist keineswegs und niemals eine Einzelleistung, sondern die eines Teams.“
Sein Dank galt seiner Familie ebenso wie der Gründungsinitiative, dem Schulträger, Geschäftsführer Eduard Butt, den ehemaligen und heutigen Mitarbeitenden, den Kirchengemeinden, Unterstützern aus dem Netzwerk christlicher Schulen und der damaligen Gemeindeverwaltung um Ulrich Knorr. Besonders dankte er auch den Eltern, die gerade in den ersten Jahren einer neuen Schule Vertrauen entgegenbrachten und ihre Kinder anvertrauten.
Dabei zeichnete der Schulleiter bewusst kein Bild einer perfekten Schule. Unterschiedliche Erwartungen, Fehler und Herausforderungen gehörten auch nach zehn Jahren zum Alltag. „Wer Perfektion bei Menschen erwartet, der kann nur scheitern“, sagte Rudi Penner. Wo Menschen miteinander arbeiteten, brauche es deshalb auch Nachsicht und die Bereitschaft zur Vergebung.
An seiner ursprünglichen Vision von Schule halte er dennoch fest: Lehrer, Schüler und Eltern sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern gemeinsam unterwegs sein. Neben einer qualitativ hochwertigen Bildung gehe es darum, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Charakter zu prägen, und sie zu ermutigen, ihre Fähigkeiten für andere und für die Gesellschaft einzusetzen.
Damit stellte Herr Penner zugleich die Frage, woran sich der Erfolg einer Schule eigentlich bemesse. Für ihn seien es nicht allein Schülerzahlen, Abschlüsse oder Gebäude. Entscheidend sei, was Schule im Leben junger Menschen bewirke.
Aus seinem christlichen Verständnis heraus verband er diesen Gedanken mit dem Vertrauen auf Gottes Führung. Professionelles Planen und gewissenhaftes Arbeiten würden dadurch nicht ersetzt. Zugleich gelte es anzuerkennen, dass Erfolg nicht vollständig planbar und machbar sei. Einen Vers aus Psalm 127 stellte er deshalb über seinen Rückblick: „Wenn der HERR das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran.“
Diese Haltung verbinde sich für ihn auch mit dem Namensgeber August Hermann Francke, für den Bildung, Verantwortung für junge Menschen und christlicher Glaube eng zusammengehörten. Das Jubiläum sei deshalb nicht Ausdruck von Perfektion, sondern vor allem Anlass zur Dankbarkeit.
Was die Menschen an der AHF-Gesamtschule erleben
Was diese Gedanken im Schulalltag bedeuten, zeigten auch die Stimmen von Schülern, Lehrern und Eltern.
Mailin Peplinski, Schülerin der Einführungsphase, hatte schon mehrere andere Schulen besucht: „Ich war schon auf vielen Schulen. Ich habe oft gewechselt – und hier bin ich bisher am längsten geblieben. Das sagt viel aus.“ Sie schätze besonders die Gemeinschaft, die kleinen Kurse in der Oberstufe und das Lehrerkollegium.
Auch Daniel Nachtigall, Lehrer für Deutsch und Informatik, nannte vor allem das Miteinander zwischen Schülern, Eltern und Kollegen. Sein persönliches Fazit: „Ich finde es einfach großartig, hier zu sein.“
Alexander Wenzel, dessen zwei Kinder die AHF-Gesamtschule besuchten, fasste seine Elternperspektive in einem Satz zusammen: „Die Schule ist ein großer Segen für ganz Paderborn und Lippe.“
Nach dem offiziellen Festakt wurde auf dem Schulgelände weitergefeiert. Menschen, die ganz unterschiedliche Abschnitte der zehnjährigen Geschichte erlebt hatten, kamen miteinander ins Gespräch – von Wegbegleitern der Gründungszeit bis zu aktuellen Schülerinnen und Schülern.
So zeigte das Jubiläum nicht nur, wie stark die AHF-Gesamtschule innerhalb eines Jahrzehnts gewachsen war. Hinter der Entwicklung standen Menschen, die Verantwortung übernommen, Vertrauen geschenkt und gemeinsam Schule gestaltet haben.
Der Anspruch für die kommenden Jahre bleibt dabei derselbe: junge Menschen nicht nur zu Abschlüssen zu führen, sondern sie auf ihrem Weg ins Leben zu begleiten – mit guter Bildung, gelebter Gemeinschaft und einem christlichen Glauben, der den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit in den Blick nimmt.
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